So besiegte ich meine größte Angst

Angst besiegen mit Mut

Was hat das alles mit Salsa zu tun?

Ich hatte gerade mit dem Salsatanzen angefangen. Besser gesagt: ich war ein paar Mal im Tanzkurs. Jahrelang habe ich mich nicht getraut bis ich mich schließlich überreden habe lassen (nochmal Danke Danke Danke Richy!!!). Warum eigentlich? Ich denke es war die Angst zu versagen. Nicht gut genug zu sein. Wahrscheinlich eine der größten Ängste in unserer modernen Zivilisation. Es geht also um Selbstwert. Ich habe irgendwo gelesen daß das Gegenteil von Angst einfach nur Liebe ist. Und die Selbstliebe hat mir tatsächlich schon 'mal meinen Arsch gerettet. Und das meine ich in vollem Ernst. Aber wie kann ich das hier anwenden? Nebenbei: Was war denn meine größte Angst, "damals"? Und was hat das mit Tanzen zu tun?

Eine Frau ansprechen ist das Eine ...

Ich habe mal gelesen daß die meisten Männer lieber in den Krieg ziehen als eine Frau anzusprechen. Und irgendwie kann ich das nachvollziehen. Obwohl es besser geworden ist seitdem ich versuchte habe Profi-Aufreisser zu werden (der Artikel dazu folgt noch, versprochen) :-) Also, was war meine größte Angst? Meine größte Angst war: ich habe gerade zum Salsatanzen angefangen, kann also fast nichts, bin ganz alleine auf einer Salsaparty (ohne die anderen Kursteilnehmer die ich schon kenne), muß eine wildfremde Frau ansprechen, sie fragen ob sie mit mir tanzen will - und dann, das Allerschlimmste: diese Frau tanzt dann sogar noch so viel besser als ich. Das soll meine größte Angst sein meinst Du? So ein Käse? So ein Witz? Ja, das war sie damals. Ich hatte schon viele Ängste in meinem Leben, das kannst Du mir glauben, aber ich denke die Größten waren und sind schon immer die wo ich Angst habe als "zu wenig wert" zu erscheinen. Ab und zu übe ich extra das Gegenteil. Zum Beispiel auf Konferenzen, wo man dann im Publikum sitzend ein Mikrofon gebracht bekommt wenn man eine Frage hat. Und, verdammt, jedes Mal die Überlegung: ist das jetzt totaler Quatsch den ich da frage? Mache ich mich lächerlich? Halten mich alle anderen für einen Vollidioten? Gott sei dank waren meine Fragen doch meistens ganz gut, aber ich bin immer noch super-aufgeregt wenn ich in so eine Situation komme. Verrückt! Übrigens: Wer auf extreme Desensibiliserung steht kann ja mal Tim Ferris lesen. Aber jetzt die Geschichte:

Die 3-Sekunden-Regel

Eines Tages war es soweit: es war Mittwochabend, ich war auf der Salsaparty, und ich kannte wirklich Niemanden. Als ich das realisierte, war mir eigentlich schon klar was heute los war: Es war Zeit meiner größten Angst in den riesigen Rachen zu starren. Und trotzdem zu handeln. In der Sekunde dieser Erkenntnis sah ich sie auch schon: die Frau an der Bar die ich ansprechen sollte. Musste. Würde. Verdammt. Es war auf einmal alles so klar. Und ich ignorierte die 3-Sekunden-Regel. Für die welche diese nicht kennen: Die meisten Verführungstrainer raten innerhalb von drei Sekunden eine Frau anzusprechen die einem gefällt, und zwar drei Sekunden nachdem man sie gesehen hat. Das ist eine verdammt kurze Zeit. Und warum genau drei Sekunden? Weil man danach das Nachdenken anfängt. Siehe oben. Und diese ganzen Selbstzweifel übergeht man einfach indem man sofort handelt. Und ich hätte die Frau wirklich sofort ansprechen sollen. Und so verstrichen endlose Minuten, und ich wurde immer mutloser und meine Beine schwächer und schwächer... doch das Wissen daß dies der Augenblick ist meiner Angst eine Handlung entgegenzusetzen war größer. Ich weiß heute noch nicht genau woher ich die Kraft dafür genommen habe, ich glaube aus diesem "Wissen" heraus, aber genau kann ich das nicht sagen. Fakt ist: ich ging die drei Meter Richtung Bar ...

Sie ist besser als ich

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern was ich zu ihr gesagt habe. Aber sie ging mit mit auf die Tanzfläche! Warum ich das nicht als erstes Erfolgserlebnis feierte? Weil ich instinktiv wußte dass es darum nicht ging. Es ging nämlich darum zu tanzen. Und das machten wir. Und ich versuchte gleichzeitig zu sprechen, während ich meine Anfängertanzschritte so gut wie möglich abspulte. Etwas Training hatte ich ja gehabt, aber ich hatte weder schöne Figuren noch besonders tolles Tanzgefühl anzubieten. Und jetzt kam's, und ich hätte wohl besser die Klappe gehalten: Freimütig antwortete sie mir auf meine Frage nach ihrer Tanzerfahrung daß sie schon mehrere Kurse absolviert hatte und mehrere Jahre beim Salsatanzen war. Bääm! Das war die Watschn vor der ich mich gefürchtet hatte! Verdammt! Sie ist so viel besser als ich! Das kann nicht sein! Ahhhh ... und nach zwei kurzen Höflichkeitsliedern verließ sie mich und die Tanzfläche.

Kann man vor Angst sterben?

Ich war einfach nur froh daß das vorbei war. Ich kann mich weder an das Lied noch an irgendwelche Schritte erinnern. Und peinlicherweise an die Frau auch nicht. Aber diesen Moment werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen. Das war die Hölle für mich. Alle meine schlimmsten Befürchtungen kamen auf einen Moment konzentriert zusammen. Vielleicht meinst Du ich übertreibe. Und ich hoffe Du siehst das viel lockerer als ich. Doch ich wäre beinahe mal vor Angst gestorben und weiß deshalb daß man sich auch in einen Trichter nach unten denken kann, der sich immer schneller dreht - wenn man nicht ausbricht.

Auf dem Heimweg kam die Erkenntnis

Der Tanzabend war für mich gelaufen. Das nächste an was ich mich erinnern kann war der Heimweg. Ich glaube ich ging sogar zu Fuß und war froh daß meine Beine zwanzig Minuten lang etwas zu tun hatten. Und ich versuchte mit der Situation fertig zu werden. Und anscheinend hilft Spazierengehen. Denn kurz vor meiner Haustür war es mir auf einmal klar dass ich etwas geschafft hatte: mich dieser riesengroßen Angst zu stellen! Da einfach durch zu gehen! Und (wieder einmal) zu lernen daß diese Ängste die man sich im Kopf zusammenbastelt in der Realität lang nicht so schlimm sind. Denn das war auch hier der Fall. Und ich war auf einmal total glücklich und erleichtert, und ich hoffe daß das niemand gesehen hat: Denn das erste und einzige Mal bin ich vor meiner Haustüre glücklich und befreit in die Luft gesprungen, so gefreut habe ich mich auf einmal. Seitdem ist mein Motto: Du mußt dahin wo die Angst ist ... wer einen besseren Weg weiß: gerne her mit den Tipps! Richtig viel Mut und Selbstliebe wünscht Dir: Thomas