Vom Millionär zum Flaschensammler

Millionär

"Mit 30 bin ich Millionär - wetten?"

Ja ja, die jungen Leute! Ich war Anfang zwanzig und war mir sicher daß ich mit dreißig Jahren Millionär sein würde! Woher ich das wußte? Keine Ahnung! Oder: ich war total von mir überzeugt. Daß ich ein super Unternehmer sein/werden würde. Oder: eine Vorahnung auf etwas das kommen sollte? Egal: ich wettete sogar mit einem Freund um eine Flasche Champagner. Die Welt war 'eh nicht genug. Also was solls! Als Unternehmer-Sohn der immer wieder von Papi gesponsert wurde wenn er Geld brauchte - wo sollten da meine Grenzen sein? Genau: die gab's nicht!

So hatte ich mir das aber nicht vorgestellt

Und dann, zack: war ich Millionär. Fast pünktlich zum 30.Geburtstag. Aber wie kam das? Ehrlich gesagt etwas tragisch. Ziemlich tragisch. Mein Vater hatte sich das Leben genommen. Wie zuvor seine Mutter, meine Oma. Ich habe lange überlegt ob ich "Selbstmord" schreiben sollte. Und ich weiß ehrlich gesagt immer noch nicht welcher Ausdruck hier "passend ist". Da muß ich wohl mal drüber schreiben. Aber das Leben ging weiter. Das schreibt sich so leicht, so eine schöne Phrase. Erst 'mal ging gar nichts weiter. Ich war wie paralysiert. Kapierte das erst alles überhaupt nicht. Nach ein paar Wochen dann war langsam klar was passiert war. Und ich konnte endlich weinen. Endlich fühlen. Endlich Trauer spüren. Und ich bin meiner Mutter dankbar daß sie mir einen sehr guten Rat gegeben hat (ja ja, manchmal haben Eltern doch recht!): Schreib alles auf was Du ihm oder über ihn sagen möchtest. Und das habe ich auch, auf zwei Seiten. Die habe ich dann unter Tränen bei seiner Beerdigung vorgelesen. Dann ging es mir etwas besser. Oder hatte ich einfach keine Zeit? Alles mußte organisiert werden. Das ist ein Haufen Arbeit, so ein Nachlass. Besonders wenn er in dieser Höhe war. Wenn ich mir heute den Erbschaftssteuerbescheid des Finanzamts anschaue kann ich es gar nicht mehr glauben. Aber: da stand eine Zahl mit sieben Stellen und einer Eins davor. In DM wohlgemerkt, damals.

Hirn ausschalten

Damals befand ich mich noch in völligem Nebel was mein Bewußtsein anbetraf. Ich reagiert und existierte, aber weder "lebte" ich noch fühlte ich. Unglaublich daß ich das überhaupt überlebt habe, diese vielen Jahre der Dunkelheit in meinem Kopf - oder besser Taubheit? Egal, ich hatte jetzt einen Haufen Geld (nicht daß es mir jemals daran gemangelt hatte) und keine Grenzen im Kopf. Da ich sowieso nicht nachdachte machte ich alles was mir gerade einfiel. Drei Jahre reichte das Geld dafür: Ich habe Sportautos gekauft (schnief, des schwarze Cabrio mit champagnerfarbenen Ledersitzen vermisse ich doch schon manchmal! Nein, nicht wirklich wenn ich ehrlich bin. Aber schön wars schon!), habe in Tausend-Euro-Hotelsuiten übernachtet (meine Empfehlung: die Turmsuite im Mandarin Oriental in München - das Bad dort war ungefähr so groß wie meine damalige komplette Wohnung!) und in phantastische Geschäftsideen investiert. Schon mal von "Tilia Haus" gehört? Nein? Wir wollten halbe Häuser per Zeppelin ("Cargolifter"!) an den Bauort transportieren und dort zusammensetzen. Den Erfinder hatte ich übers Internet kennengelernt. Wir kamen nicht mal dazu eine Halle anzumieten, so schnell war das Gründungskapital von 25.000 Euro weg. Dann habe ich in eine Galerie investiert, ein Internetcafe betrieben, war Musikproduzent - oh mei, mir fällt gar nicht mehr alles ein! Ich schätze mal daß ich ein viertel der Summe alleine in meine damalige Internetfirma gesteckt habe. Jawoll, und jeder Mitarbeiter (fünfzehn in der Hochzeit) bekam sein Wunschauto, nur der Geschäftsführer also ich nicht mal ein Gehalt. Das hier schon 'mal als kleiner Hinweis auf meinen eigenen Wert den ich mir damals beimaß (nämlich: null).

Das Einzige was gut war

Als mir zehn Jahre später klar war was ich da eigentlich gemacht hatte wollte ich mir nur noch in den Allerwertesten beißen. Oh mein Gott! Wie kann man soviel Geld in so kurzer Zeit ausgeben? Ohne Hirn! Ohne Nachdenken! Ohne einen Funken Strategie?! Was damals aber am Schlimmsten war: ich war kreditwürdig! Klar, ich war immer noch der Sohn von Herrn Müller (auch wenn dieser verstorben war - alle dachten ich hätte noch etwas vom Geld übrig)! Hunderttausend Euro lang. Soviel konnte ich noch Schulden machen. Dann war Schluß, ich hatte kein Bargeld mehr, die Sparkasse hat meine Geldkarte eingezogen. Und alle wollten Geld. Ich stand da, ohne alles. Und musste wieder bei meiner Mutter einziehen. Mit Schulden. Ohne Einkommen, denn meine Internetfirma hatte ich für einen Schnäppchenpreis ("Wert" - siehe oben) verkauft. Aber das war letzten Endes das einzig (es gab natürlich noch mehr, aber das war im Nachhinein auf jeden Fall gut) Gute: daß ich ein Unternehmen aufgebaut hatte, welches einem Familienvater seine Selbständigkeit ermöglicht hat und auch noch einer Handvoll Mitarbeiter Jobs gegeben hatte. Darauf bin ich auch heute noch stolz. Mann, ich hätte zumindest 10% der Firma behalten sollen :-) Dann müsste ich vielleicht nicht mehr arbeiten, denn dieses Unternehmen gibt es immer noch und es läuft prächtig. Das freut mich!

Neuanfang in einer anderen Stadt

Dann war es so weit: durch meinen Umzug nach Regensburg (meine damalige Freundin wollte hier studieren) machte ich einen "Cut", liess mein altes Leben hinter mir und startete von Null an. Aber leider auch mit null Euro. Ich hatte nicht mal Geld um mir ein gebrauchtes Fahrrad zu kaufen. Nur Schulden z.B. bei der Autoleasingfirma. Mein "letztes Stück Freiheit" (ich glaube viele können das nachvollziehen) hatte man mir weggenommen, mein Auto. Doch ich kam wieder zu Geld: im Gründerzentrum "IT-Speicher" hatte ich mir ein Büro gemietet um mit meiner neuen Geschäftsidee "Software-Vermietung" Unternehmer des Jahres im Manager-Magazin zu werden :-) Naja, dafür hat's noch nicht gereicht! Aber ich bekam den ersten Kunden der mich die ersten Monate finanzierte. Dann kam schon wieder der Nächste. Und so weiter. Da ich kein Geld hatte für Angestellte habe ich bis zu vier (!) Praktikanten beschäftigt, natürlich ohne Bezahlung, wie denn auch. Im Gegenzug habe ich ihnen Programmieren beigebracht - und den Umgang mit echten Kunden. Ach ja, einer dieser Praktikanten ist heute in der Geschäftsführung von Westwing und war Technikchef bei der heute börsennotierten Rocket Internet. Krass!!

Selbst-Sabotage

Nachdem mit meiner Freundin Schluß war zog ich in meine eigene Wohnung in Regensburg. "Jungunternehmer sucht Wohnung nähe IT-Speicher" stand in meiner Zeitungsanzeige. Und drei Besichtigungen später hatte ich mein neues Domizil gefunden! Tolle Nachbarn, fünf Minuten mit dem Fahrrad (ja, ich hatte jetzt eins! zwanzig Euro beim Radl-Franze!) ins Büro, nachmittags Sonne auf dem Balkon und die Domspatzen habe ich im Sommer bei offenem Fenster auch noch gratis gehört. Was will man mehr? Tja, mehr Geld will man. Denn meine tollen neuen Anfänge in der Softwarebranche habe ich mir selbst wieder kaputtgemacht. Wer auch immer das hier liest und auch solche Selbst-Sabotage-Programme laufen hat: Stop! Dass kann man sehr gut auflösen! Guckstdu hier. Doch damals wusste ich das leider noch nicht. Aber: ich hatte zumindest einige hundert Euro monatlich aus diesem Business welches mir die Miete zahlte. Und den 6,21 Euro Einkauf bei Netto am Hauptbahnhof finanzierte (ich habe noch ein altes Foto gefunden). Doch ich wußte nicht was ich jetzt tun sollte. Deshalb tat ich erstmal nichts :-) Das Teuerste was ich damals am Leib trug war meine Jahreskarte fürs Hallenbad/Freibad - und die nutzte ich täglich, meiste mehrere Stunden. Das war toll! Doch was war mit dem Thema Geld? Wie sollte es nun weitergehen?

Es geht ums Geld!

Ramona, falls Du das hier eines Tages liest: vielen vielen vielen Dank für das Buch! Ramona hat mir damals ein Taschenbuch geschenkt das ich mir damals nicht leisten (9 Euro!!) konnte: Think rich to get rich (ich zitiere mal den Untertitel des englischen Originals) hat mir die Augen geöffnet. Genau! Deshalb klappte das nicht mit dem Geld bei mir! Ich war zwar gar nicht so schlecht darin immer mal wieder etwas Geld zu machen. Aber behalten "wollte" ich es nie! Heute weiß ich warum: Geld war für mich etwas Schlechtes! Ich benutzte es als Machtmittel und wußte nichts Positives damit zu verknüpfen. Deshalb wollte ich es immer loswerden! Und das gelang mir auch - leider immer wieder. Wenn Du also jemanden kennst der ständig pleite ist, Schulden oder Geldsorgen hat: Tadaaa, hier ist die Ursache. Aber was ist die Lösung?

Millionen? Nö: Pfandflaschen

Die Lösung ist tatsächlich erst die richtigen "Denksamen" ins Hirn zu pflanzen damit als Ergebnis die schönen "Geldpflanzen" wachsen können. Wenn ich nichts oder das Falsche säe kann einfach nicht das gewünschte Ergebnis 'rauskommen. Ist irgendwie logisch. Und dieses Buch erklärt das alles. Ich habe es so oft gelesen! Und lese es immer noch! Es ist das ideale "Selbst-Brainwashing" wenn man sein Denken über Geld ändern möchte. Und ich verspreche: man wird auch sich selbst ändern. Denn das alles hat ganz viel mit persönlicher Entwicklung zu tun. Bevor ich hier ausschweife: Lies' das Buch! Es ist unglaublich gut und hilfreich und Du wirst mindestens eine neue wertvolle Sache lernen! Aber zurück zum Thema: was hat es jetzt eigentlich mit den Pfandflaschen auf sich? Ganz einfach! Im Zuge der Beschäftigung mit Geld bin ich auf Steve Pavlina und seine Vorgehensweise Geld zu 'manifestieren' gestossen. Das war ganz nach meinem Geschmack! Ich denke mir einfach Geld herbei! Wunderbar! Wenn das seine kleine Tochter kann und im Park Münzen findet, dann schaffe ich das auch! Doch, komisch: ich fand keinen einzigen Cent auf der Strasse! Nichts! Niente! Nada! Aber dauernd tauchten irgendwo leere Pfandflaschen vor meinen Augen auf. Bis ich es kapierte: genau! Die waren doch auch Geld wert! Nämlich 8 Cent pro Flasche! Man glaubt gar nicht wieviele Leute "Augustiner" trinken und dann das Teil leer abstellen. Dankeschön! Also: ich habe alle diese Flaschen aufgesammelt. Nein, in einem Abfallbehälter habe ich noch nicht gewühlt (habe mich mal mit so einem Typen unterhalten der das nachts macht, total professionell übrigens wie der vorgeht!). Mußte ich auch nicht, weil die auch so rumstanden. Und es war immer ein super Gefühl wenn ich dann bei der Pfandstelle das Geld dafür einsackte. Katsching!

Wie geht's weiter?

Mensch, habe ich einen langen Weg hinter mir. Das wird mir erst klar wenn ich das hier alles aufschreibe. Einen langen Weg vor allem was meine persönliche Entwicklung angeht. Ich habe wirklich viel viel gelernt und erlebt in den letzten Jahren. Und ich freue mich auf das was noch kommt: denn ich bin "aufgewacht", bekomme langsam meine Macht zurück und kann das Leben geniessen. Und zum Schluß muß ich noch etwas gestehen: auch heute noch wo ich schon ziemlich gut darin bin in einem "Mindset" des Überflusses zu leben, Essen kaufen kann was ich möchte (manchmal noch zuviel!), diesen Text auf einem tollen Mac schreibe und ein einem Haus wohne: Ab und zu nehme ich doch immer noch eine dieser Pfandflaschen mit wenn ich eine sehe! Das ist Bargeld, Freunde :-)